Über das Leben

Die Büchse der Pandora

Vor nicht allzu langer Zeit, hatte ich das Glück, mich mit einer wunderbaren Person bei einem abendlichen Spaziergang zu unterhalten.
Es ging im Wesentlichen darum, wie Menschen mit der Geschichte eines Anderen umgehen.

Ganz gleich welche Geschichte Du zu erzählen hast, es gibt immer wieder Menschen, die mit dieser Geschichte nicht umgehen können oder nicht wissen wie sie sich Dir gegenüber verhalten sollen und so die Flucht ergreifen bzw. Abstand gewinnen möchten.
Nun weiß ich, dass dieses Verhalten nicht negativ gedeutet werden sollte. Wenn man intensiver darüber nachdenkt, ist solch ein Verhalten Selbstschutz.

Wir können keinen Menschen dazu zwingen, ein Teil unseres Lebens zu sein. Auch wenn man das, auf die ein oder andere Art und Weise gerne versucht. 

Als wir entspannt und zufrieden nebeneinander herliefen und über die ein oder andere Geschichte sprachen, sagte sie „Menschen die Deine Geschichte kennen und nicht die Flucht ergreifen, werden an Deiner Seite bleiben, da sie es schätzen, wie Du bist.“ Ich weiß nicht, wann ich das zum letzten Mal gehört habe. Ich schaute sie an und für eine kurze Zeit war es still um uns. Ich dachte darüber nach, was ich darauf nun antworten sollte und entschied mich ihr einfach zuzustimmen.

Wir schauten uns interessiert die Umgebung an, sprachen über die Zukunft und die ein oder anderen Wünsche. Im Laufe des Abends kamen wir dann auf das Thema, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat. Jeder von uns kennt diesen einen Satz „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“, doch dies von ihr zu hören, brachte mich, aus unerfindlichen Gründen dazu, intensiver darüber nachzudenken.

Sie hat recht.

Jeder Einzelne von uns, ob alt oder jung, reich oder arm, hat ein Päckchen auf seinem Rücken. Dieses Päckchen ist nie gleichgroß. Die Größe ist eine Definition der eigenen Gedanken. Das Päckchen, welches Du mit Dir trägst, mag für Dich die größte Last sein, doch für einen Anderen, kann die Größe Deines Päckchens, die Größe eines Etuis haben.

Die Büchse der Pandora:

In der griechischen Mythologie beinhaltet die Büchse der Pandora alles Schlechte und sollte sie geöffnet werden, kommt das Schlechte in geballter Form frei.
Für einige Menschen sind die Erinnerungen die sie haben, vergleichbar mit dem Schlechten in der Büchse der Pandora. Sollten diese Erinnerungen zum Vorschein kommen, kann es passieren, dass sie im übertragenen Sinne unter der Last der Erinnerungen buchstäblich zerbrechen.

Nehmen wir das Beispiel einer Geschichte, über einen Jungen, der sehr früh von zuhause fortgegangen ist.

Er hatte schon sehr früh ein sehr großes Paket mit sich zu tragen. Bis zum Rand mit bösen Erinnerungen und Erfahrungen gefüllt. In seinem, bis dahin sehr jungem Leben, erfuhr er mehr Enttäuschung, als man sich vorstellen kann. Er entschied sich, all diese Gedanken, Gefühle und Erinnerungen „einzupacken“ und sie nie wieder zu öffnen. Er hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass dieses „Paket“ im Laufe der Zeit zur seiner „Büchse der Pandora“ wird.
Öfter als ihm lieb war, stolperte er auf seinem Lebensweg. Dadurch viel auch sein Paket bzw. seine Büchse der Pandora zu Boden. Alles was er wegsperrte, kam wie ein Sommergewitter über ihn. Das erste Mal, war er noch stark genug und schob die erdrückenden Erinnerungen beiseite. Doch je öfter er viel, umso schwieriger wurde es, all die Erinnerungen zurück in die Büchse zu schicken.
So begann er seinem Frust und seiner Angst ein Ventil zu geben. Er begann Menschen zu enttäuschen, sich mit verschiedenen Substanzen zu beruhigen und das große Ziel, welches er einmal hatte, aus den Augen zu verlieren. Einige Jahre konnte er dieses Leben führen, doch dann musste er für seine Taten geradestehen. Die Folge war: 30 Monate eiserne Gardinen.

Heute kämpft der Junge immer noch damit, diese Last, die er unbestritten mit sich trägt, alleine zu tragen und hofft, kein weiteres Mal zu fallen. Für seine Taten muss er auch heute noch geradestehen.

Wenn man diesem Jungen gezeigt hätte, wie man die Büchse der Pandora vorsichtig öffnet und Stück für Stück seine Erinnerungen heraus lässt, ohne das die Last ihn erdrückt, bin ich sicher, dass er heute ein zufriedenes Leben führen könnte. Doch dies ist leider nur mein Wunschgedanke.

Keiner kann die Vergangenheit verändern, man kann nur lernen mit ihr zu leben. Denn sie ist das, was uns Menschen im Grunde ausmacht. 

Menschen neigen dazu, ihre bösen bzw. schlechten Erinnerungen im übertragenen Sinne „wegzusperren“ oder wenn wir das Beispiel des Päckchens übernehmen, „einzupacken“.

Auch ich habe eine lange Zeit den einfachen Weg des Wegsperrens gewählt. Doch immer wieder kamen die Erinnerungen geballt zum Vorschein. Solch eine Situation sorgt dafür, dass die Erinnerungen eine erdrückende Wirkung haben. Dennoch habe ich vor ein paar Jahren einen Weg gefunden, wie ich dafür sorgen kann, dass dies nicht wieder passiert.

Deine Erinnerungen sind nur Bilder Deiner Gedanken. Wenn Du auf Reisen bis, wirst Du vermutlich Bilder schießen, um Dich nach geraumer Zeit an Deine Reise zu erinnern. Vielleicht wirst Du an einem schönen Abend mit Deinen Freunden zusammensitzen, das Bilderbuch herausholen und jedes einzelne Bild in Ruhe erklären. Vielleicht liegt das Bilderbuch sogar in einem Regal oder einer für jeden zugänglichen Kiste, da die Reisebilder beim Anschauen Glücksgefühle in Dir freisetzen.
Würdest Du Bilder von schlechten Tagen machen? Vermutliche nicht, denn kein Mensch macht freiwillig Bilder von schlechten Tagen. Doch unser Gehirn tickt da etwas anders.
Hast Du etwas Böses in Deiner Vergangenheit erfahren, wird dies, je nachdem wie es Dich leiden lässt, Dein Gehirn wie ein Bild in Deinen Gedanken einbrennen.

Nun ist es wichtig, dass Du, wie das Bilderbuch Deiner Reise, einzelne Bilder öffnest und diese vor Deinem inneren Auge anschaust. Du musst entscheiden, wie viele Bilder Du verkraften kannst.
Schau Dir die Bilder Deiner Vergangenheit in Ruhe an. Lass Deine Gefühle, die dadurch entstehen, zu. Sollten Deine Gefühle Dich überwältigen, lege das Bild in Deinen Gedanken wieder beiseite.
Nimm Dir einmal die Woche Zeit und öffne Dein Päckchen. Nimm Dir eine Erinnerung und lass diese vor Deinem inneren Auge Revue passieren. Überlege Dir, was diese Erinnerung mit Dir gemacht hat und wie Du heute damit umgehst. Wird es Dir zu viel, dann verabschiede Dich von ihr. Denke an etwas Schönes. Lege die Erinnerung zurück in das Päckchen und schließe es. Dann legst Du das Päckchen, in deinem inneren Auge, sorgfältig beiseite. Wenn es Dir hilft, mach eine Geste, welche offensichtlich zeigt, wie Du das Päckchen beiseitelegst.

Beim ersten Mal wird es Dir suspekt vorkommen, doch nach dem zweiten oder dritten Mal, wird sich ein Gefühl von Erleichterung in Dir ausbreiten.
Wenn Du das immer wieder tust, wird es Dir immer leichter fallen, über Deine Vergangenheit zu reden oder darüber nachzudenken.
Es bedeutet Training, jedoch wird es sich mit der Zeit positiv auswirken. Das Gehirn eines Menschen ist ein Muskel, welcher trainiert werden will.

Du wirst Menschen kennenlernen, die sich aufgrund Deiner Geschichte von Dir abweisen. Doch wenn Du etwas Geduld hast, werden im Gegenzug Menschen in Dein Leben treten, die unglaublich besonders sind. Menschen die versuchen, Dich zu verstehen oder es tatsächlich auch tun. Sie werden Dich akzeptieren und Dich schätzen.
Diese Personen werden an schlechten sowie guten Tagen an Deiner Seite sein.

Du KANNST.

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